Den
Vormittag unseres ersten Urlaubstages verbringen wir im Flughafen
von Santiago de Chile. Wenigstens gibt es ein Wiedersehen mit den
lange vermissten Lomitos, auch wenn sie bei weitem nicht an die,
die wir in Patagonien bekommen hatten heranreichen. Der Inlandsflug über
die Atacama geht dann auch noch vorbei und wir können in Arica
den Urlaub richtig beginnen. Arica liegt am Pazifik ganz im Norden
Chiles und -ehrlich gesagt- man muss es nicht gesehen haben (das
sehen die Leute in Arica anders!). Wenigstens, denn wir müssen
noch einen Tag auf einen Bus nach La Paz warten, gibt es etwas ausserhalb
der Stadt ein kleines Museum über die dortige Frühkultur
und einen Aussichtspunkt auf Geoglyphen. Das ist aber schon alles.
Am nächsten Tag klappts dann mit dem
Bus nach La Paz (Pullman, ca. 8h, 10 US$) der uns in endlosen Serpentinen
aufs Altiplano und Richtung Osten bringt. Ganz langsam wird man in
eine Marslandschaft versetzt und dann tauchen am Horizont Parinacota
und Pomerape auf, kurz danach auch der Sajama. Die Landschaft ist weit.
Sehr weit, karg, windig aber irgendwie immer voll Leben. Am Grenzübergang
auf 4500m Höhe kann man sich den ersten Akklimatisationsschub
abholen. Eben noch den Surfern am Pazifik zugeschaut, jetzt in Atemnot.
Man muss nämlich aus dem Bus raus. Im sitzen ist alles kein Problem,
aber wenn der Grenzer nicht zum Touri kommt... Bis zum Ausgang des
Busses ist alles ganz prima, die kleine Treppe runter geht auch. Dann
muss man aber schnell über die Strasse denn Rücksicht
kennt man als LKW dort nicht. Jetzt wird man richtig dizzy und grinst
in
der Warteschlange vor sich hin. Eigentlich hofft man nur, dass man
nicht umfällt und den peinlichen Touri gibt. Geht auch vorbei.
Zurück im Bus normalisiert sich die
Situation recht schnell. Wir kleben am Fenster und sind glücklich
wieder unterwegs zu sein.
Plötzlich ist man in El Alto. Es gibt kein Schild, aber auch
keinen Zweifel wo man ist. Gleich müssen wir nach La Paz kommen.
Der Bus kippt förmlich in den Kessel in dem La Paz liegt. Die
Stadt liegt als endloses Häusermeer in einer länglichen Talsenke.
Unverputze Häuser, steile, enge Strassen und vor allen drei weitere
Dinge: Chaos, Lärm und Abgase. Feinstaubverordnung ist hier nicht.
Wir kommen im Hostal Milenio
(sehr zu empfehlen, 2,5€ pro Nacht
und Nase) in der Calle Yanacocha unter und gehen erst mal was essen,
fallen aber bald recht müde ins Bett. Die Höhe ist schliesslich
auch nicht ohne (3600m) und ein paar Bier tun ihr übriges. Man
verflucht La Paz zu erst. Es stinkt, es geht immer bergauf, man bekommt
keine Luft und tut sich mit allem hart, die Abgase sind einfach schrecklich.
Aber man gewöhnt sich daran. Ist man akklimatisiert macht La Paz
Spass. Die Stadt bietet für die Ruhetage oder die Organisationspausen
alles was man braucht, vor Allem gutes Essen und ein paar kühle
Pacenas.
Nach drei Tagen La Paz mit
Ausflügen nach Tiwanaku und auf den
5300m hohen Hausberg Chacaltaya geht es weiter nach nach Copacabana
am Titikakasee. Vorweg: Der Titikakasee ist Landschaftlich das grösste
was ich gesehen habe. Eigentlich steht man in der Provence. Die karge
Landschaft und das blaue Wasser sind einfach Atemberaubend. Nach einer
Nacht in Copacabana wandern wir am Ostufer des Sees nach Norden, zum
Südzipfel der Sonneninsel. Nahe Yampupata zelten wir und lassen
uns am nächsten Tag von einem Boot zum Nordende der Sonneninsel
bringen.Ganz im Norden der Insel gibt es Inkaruinen zu besichtigen
in deren Nähe ein einen sehr gut gepflegter Wanderweg beginnt,
der immer nahe der Gipfel des Höhenzugs von Nord nach Süd
verläuft. So kann man die ganze Insel in gut vier Stunden der
Länge nach überschreiten. Ein Schiff bringt uns in einer
zweistündigen Fahrt von Challa an der Südspitze der Insel
zurück nach Copacabana (Hostal Sonja, 1,5€ pro Nacht und
Nase, schönstes Hostal im ganzen Urlaub). Sehenswert in Copacabana
ist übrigens die Kathedrale mit den davor stattfindenden Autosegnungen.
Jeden Tag von 11-12.
Zurück in La Paz organisieren wir ein paar Tage im Condorirital.
Wie alle anderen Unternehmungen auch ist alles kein Problem. Gleich
der erste Touranbieter den wir fragen bietet an, uns vier für
80 US$ die ca. 200km zu fahren. Zwei Tage später steigen wir in
Tuni, dem letzten mit dem Auto erreichbaren Dorf aus dem Minibus, mieten
vier Esel und machen uns auf den Weg zum Basislager. Das Basislager
ist herrlich an einem See auf ca. 4700m gelegen. Beste Zeltplätze
und sogar ein wenig Komfort. Die Männer aus dem Dorf Tuni sind
während der Saison oben und haben für fliessend Wasser und
Toilettenhäuschen gesorgt. Ausserdem passen sie auf die Zelte
auf, wenn man nicht da ist und für einen Euro die Nacht nimmt
man das gerne in Anspruch. Das Lager ist der ideale Ort um sich weiter
an die Höhe zu gewöhnen. Es sind schöne Spaziergänge
auch weit über 5000m möglich. Wir waren auf dem Pico Austria
(ca. 5300m) und an einer Passhöhe auf ca. 5000m in der Nähe
des Lagers. Wer mehr Zeit mitbringt oder besser akklimatisiert ist,
kann hier eine grandiose Hochtourenwoche einlegen, die ihres gleichen
sucht.
Eigentlcih stand nun auf
dem Plan den 6436m hohen Parinacota an der Grenze zu Chile zu besteigen,
aber irgendwie hatte es uns der Huayna
Potosi angetan. Ausserdem haben wir zwischenzeitlich erfahren, dass
es gar nicht so einfach ist zum Parinacota zu kommen. Das Wissen der
Leute in der Agentur endete im Dorf Sajama. Dort sollten wir in der
Präfektur fragen ob uns jemand die immer noch 25km ins Tal fahren
kann. Der in kaum 1,5 Stunden von La Paz zu erreichende Huayna Potosi
ist da schon deutlich bequemer zu haben: Ein Jeep bringt uns zum Zongo
Pass und nach einem kurzen Tee im dortigen Refugio machen wir uns auf
den Weg ins Hochlager auf ca. 5200m.
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Es gibt dort
oben ein weiteres Refugio, aber man sollte sich nicht täuschen
lassen. Das ist kaum mehr als eine grosse Holzschachtel und man muss
es wohl reservieren um darin übernachten zu können. Um
dieses Häuschen herum sind vielleicht 10 oder 15 Zeltplätze
aus dem Geröll freigeräumt worden. Das ist an
dieser Stelle tatsächlich alles was
es an verwertbarem Platz gibt. Wenn es voll ist kann man ca. 100m höher
eventuell noch brauchbare Flächen finden. Wir hatten jedenfalls
Glück, es waren kaum Leute unterwegs und wir konnten uns einen
recht guten Zeltplatz aussuchen. Vor dem Abendessen sind wir noch eine
Stunde höher gestiegen, die untergehende Sonne hat uns dann aber
recht flott ins Zelt zurück geschickt. Um 2 ging der Wecker und
zu unserer Freude hatten wir trotz der Höhe richtig gut geschlafen
und uns von der Schlepperei am Nachmittag recht gut erholt. Also gings
gegen 3 los. Links am Horizont funkelt das Lichtermeer von El Alto
und rechts (also im Osten) sieht man scheinbar riesige Gewitter über
den Yungas. Es ist sogar verhältnismässig warm und wir kommen
recht flott vorwärts. Die im Führer mit 50° angegebene
Steilstufe ist bei weitem nicht so steil vielleicht 40°. Wir hatten
aber auch idealverhältnisse und waren mit zwei Schritten über
den Bergschrund und zwei Minuten später oben. Bei aperen Verhältnissen
kann die Stelle aber schon zur Prüfung werden. Wir sind übrigens
den gesamten Weg am Seil gegangen, der Gletscher liegt zwar recht zam
da, aber das eine oder andere Spaltenfeld quert man schon. Ist man über
der Steilstufe geht es noch gut 2 Stunden sanft in Richtung Gipfelaufbau
weiter. Entweder man geht direkt über eine 200m hohe ca. 40° steile
Flanke auf den Gipfel oder man umgeht den Aufbau zunächst und
nimmt den dahinterliegenden Grat. Wir haben uns für die zweite
Option entschieden, nicht zuletzt weil dieser Weg allgemein als leichter
gilt. Fehler. Der Grat ist tatsächlich recht leicht zu erreichen,
wird nach oben hin aber greislich schmal und extrem ausgesetzt. Für
uns waren die letzten 20 Höhenmeter nicht mehr vertretbar und
so haben wir es auf ca. 6060m gut sein lassen. Ein paar Fotos und wieder
Retour. Plötzlich fällt einem auf, welche Hitze sich mittlerweile
entwickelt hat. Nur mit einem dünnen Fleece spazieren wir gutgelaunt
zum Hochlager zurück und kommen noch am Abend wieder am Zongo
Pass an. Die letzten paar Tage verbringen wir in La Paz und Arica (wo
immer noch nichts los ist). Ein bisschen ärgert uns jetzt schon
dass wir wieder weg müssen, jetzt wo wir "fertig" Akklimatisiert
sind. Es war komplett anders als damals auf dem Elbrus. Wie hatten
wir uns dort plagen müssen und jetzt sind konnten wir uns auf
6000m (fast) normal bewegen. Die Lösung ist schnell bei der Hand:
Wir kommen wieder, dann aber 4 oder 5 Wochen. Den Salar Uyuni haben
wir ja auch noch nicht gesehen.
Übrigens: Die Verpflegungssituation fürs Zelten war gar
nicht so einfach. In La Paz scheint es so gut wir keine Supermärkte
zu geben, tatsächlich haben wir nur einen einzigen (Hipermaxi
im Stadtteil Sopocachi, kennt jeder Taxler) gefunden. Die "normalen" kleinen
Läden (Tiendas) verkaufen keine Instant Nudeln, schon gar nichts
gefriergetrocknetes. Auch im Supermarkt ist die Auswahl an Knorr und
Maggi Generikas nicht sonderlich gross, aber für ein paar Tage
reichts. Gas in Schraubkartuschen (90/10 und 90/20 er Mischungen) gibt
es in mindestens drei Campingläden zu deutschen Preisen; von dem
dortigen Benzin sollte man die Finger lassen! Nur Waschbenzin aus den
Ferreterias verwenden. |