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Bolivien 2007
 

Den Vormittag unseres ersten Urlaubstages verbringen wir im Flughafen von Santiago de Chile. Wenigstens gibt es ein Wiedersehen mit den lange vermissten Lomitos, auch wenn sie bei weitem nicht an die, die wir in Patagonien bekommen hatten heranreichen. Der Inlandsflug über die Atacama geht dann auch noch vorbei und wir können in Arica den Urlaub richtig beginnen. Arica liegt am Pazifik ganz im Norden Chiles und -ehrlich gesagt- man muss es nicht gesehen haben (das sehen die Leute in Arica anders!). Wenigstens, denn wir müssen noch einen Tag auf einen Bus nach La Paz warten, gibt es etwas ausserhalb der Stadt ein kleines Museum über die dortige Frühkultur und einen Aussichtspunkt auf Geoglyphen. Das ist aber schon alles. Am nächsten Tag klappts dann mit dem Bus nach La Paz (Pullman, ca. 8h, 10 US$) der uns in endlosen Serpentinen aufs Altiplano und Richtung Osten bringt. Ganz langsam wird man in eine Marslandschaft versetzt und dann tauchen am Horizont Parinacota und Pomerape auf, kurz danach auch der Sajama. Die Landschaft ist weit. Sehr weit, karg, windig aber irgendwie immer voll Leben. Am Grenzübergang auf 4500m Höhe kann man sich den ersten Akklimatisationsschub abholen. Eben noch den Surfern am Pazifik zugeschaut, jetzt in Atemnot. Man muss nämlich aus dem Bus raus. Im sitzen ist alles kein Problem, aber wenn der Grenzer nicht zum Touri kommt... Bis zum Ausgang des Busses ist alles ganz prima, die kleine Treppe runter geht auch. Dann muss man aber schnell über die Strasse denn Rücksicht kennt man als LKW dort nicht. Jetzt wird man richtig dizzy und grinst in der Warteschlange vor sich hin. Eigentlich hofft man nur, dass man nicht umfällt und den peinlichen Touri gibt. Geht auch vorbei. Zurück im Bus normalisiert sich die Situation recht schnell. Wir kleben am Fenster und sind glücklich wieder unterwegs zu sein.

Plötzlich ist man in El Alto. Es gibt kein Schild, aber auch keinen Zweifel wo man ist. Gleich müssen wir nach La Paz kommen. Der Bus kippt förmlich in den Kessel in dem La Paz liegt. Die Stadt liegt als endloses Häusermeer in einer länglichen Talsenke. Unverputze Häuser, steile, enge Strassen und vor allen drei weitere Dinge: Chaos, Lärm und Abgase. Feinstaubverordnung ist hier nicht.

Wir kommen im Hostal Milenio (sehr zu empfehlen, 2,5€ pro Nacht und Nase) in der Calle Yanacocha unter und gehen erst mal was essen, fallen aber bald recht müde ins Bett. Die Höhe ist schliesslich auch nicht ohne (3600m) und ein paar Bier tun ihr übriges. Man verflucht La Paz zu erst. Es stinkt, es geht immer bergauf, man bekommt keine Luft und tut sich mit allem hart, die Abgase sind einfach schrecklich. Aber man gewöhnt sich daran. Ist man akklimatisiert macht La Paz Spass. Die Stadt bietet für die Ruhetage oder die Organisationspausen alles was man braucht, vor Allem gutes Essen und ein paar kühle Pacenas.

Nach drei Tagen La Paz mit Ausflügen nach Tiwanaku und auf den 5300m hohen Hausberg Chacaltaya geht es weiter nach nach Copacabana am Titikakasee. Vorweg: Der Titikakasee ist Landschaftlich das grösste was ich gesehen habe. Eigentlich steht man in der Provence. Die karge Landschaft und das blaue Wasser sind einfach Atemberaubend. Nach einer Nacht in Copacabana wandern wir am Ostufer des Sees nach Norden, zum Südzipfel der Sonneninsel. Nahe Yampupata zelten wir und lassen uns am nächsten Tag von einem Boot zum Nordende der Sonneninsel bringen.Ganz im Norden der Insel gibt es Inkaruinen zu besichtigen in deren Nähe ein einen sehr gut gepflegter Wanderweg beginnt, der immer nahe der Gipfel des Höhenzugs von Nord nach Süd verläuft. So kann man die ganze Insel in gut vier Stunden der Länge nach überschreiten. Ein Schiff bringt uns in einer zweistündigen Fahrt von Challa an der Südspitze der Insel zurück nach Copacabana (Hostal Sonja, 1,5€ pro Nacht und Nase, schönstes Hostal im ganzen Urlaub). Sehenswert in Copacabana ist übrigens die Kathedrale mit den davor stattfindenden Autosegnungen. Jeden Tag von 11-12.

Zurück in La Paz organisieren wir ein paar Tage im Condorirital. Wie alle anderen Unternehmungen auch ist alles kein Problem. Gleich der erste Touranbieter den wir fragen bietet an, uns vier für 80 US$ die ca. 200km zu fahren. Zwei Tage später steigen wir in Tuni, dem letzten mit dem Auto erreichbaren Dorf aus dem Minibus, mieten vier Esel und machen uns auf den Weg zum Basislager. Das Basislager ist herrlich an einem See auf ca. 4700m gelegen. Beste Zeltplätze und sogar ein wenig Komfort. Die Männer aus dem Dorf Tuni sind während der Saison oben und haben für fliessend Wasser und Toilettenhäuschen gesorgt. Ausserdem passen sie auf die Zelte auf, wenn man nicht da ist und für einen Euro die Nacht nimmt man das gerne in Anspruch. Das Lager ist der ideale Ort um sich weiter an die Höhe zu gewöhnen. Es sind schöne Spaziergänge auch weit über 5000m möglich. Wir waren auf dem Pico Austria (ca. 5300m) und an einer Passhöhe auf ca. 5000m in der Nähe des Lagers. Wer mehr Zeit mitbringt oder besser akklimatisiert ist, kann hier eine grandiose Hochtourenwoche einlegen, die ihres gleichen sucht.

Eigentlcih stand nun auf dem Plan den 6436m hohen Parinacota an der Grenze zu Chile zu besteigen, aber irgendwie hatte es uns der Huayna Potosi angetan. Ausserdem haben wir zwischenzeitlich erfahren, dass es gar nicht so einfach ist zum Parinacota zu kommen. Das Wissen der Leute in der Agentur endete im Dorf Sajama. Dort sollten wir in der Präfektur fragen ob uns jemand die immer noch 25km ins Tal fahren kann. Der in kaum 1,5 Stunden von La Paz zu erreichende Huayna Potosi ist da schon deutlich bequemer zu haben: Ein Jeep bringt uns zum Zongo Pass und nach einem kurzen Tee im dortigen Refugio machen wir uns auf den Weg ins Hochlager auf ca. 5200m.

Es gibt dort oben ein weiteres Refugio, aber man sollte sich nicht täuschen lassen. Das ist kaum mehr als eine grosse Holzschachtel und man muss es wohl reservieren um darin übernachten zu können. Um dieses Häuschen herum sind vielleicht 10 oder 15 Zeltplätze aus dem Geröll freigeräumt worden. Das ist an dieser Stelle tatsächlich alles was es an verwertbarem Platz gibt. Wenn es voll ist kann man ca. 100m höher eventuell noch brauchbare Flächen finden. Wir hatten jedenfalls Glück, es waren kaum Leute unterwegs und wir konnten uns einen recht guten Zeltplatz aussuchen. Vor dem Abendessen sind wir noch eine Stunde höher gestiegen, die untergehende Sonne hat uns dann aber recht flott ins Zelt zurück geschickt. Um 2 ging der Wecker und zu unserer Freude hatten wir trotz der Höhe richtig gut geschlafen und uns von der Schlepperei am Nachmittag recht gut erholt. Also gings gegen 3 los. Links am Horizont funkelt das Lichtermeer von El Alto und rechts (also im Osten) sieht man scheinbar riesige Gewitter über den Yungas. Es ist sogar verhältnismässig warm und wir kommen recht flott vorwärts. Die im Führer mit 50° angegebene Steilstufe ist bei weitem nicht so steil vielleicht 40°. Wir hatten aber auch idealverhältnisse und waren mit zwei Schritten über den Bergschrund und zwei Minuten später oben. Bei aperen Verhältnissen kann die Stelle aber schon zur Prüfung werden. Wir sind übrigens den gesamten Weg am Seil gegangen, der Gletscher liegt zwar recht zam da, aber das eine oder andere Spaltenfeld quert man schon. Ist man über der Steilstufe geht es noch gut 2 Stunden sanft in Richtung Gipfelaufbau weiter. Entweder man geht direkt über eine 200m hohe ca. 40° steile Flanke auf den Gipfel oder man umgeht den Aufbau zunächst und nimmt den dahinterliegenden Grat. Wir haben uns für die zweite Option entschieden, nicht zuletzt weil dieser Weg allgemein als leichter gilt. Fehler. Der Grat ist tatsächlich recht leicht zu erreichen, wird nach oben hin aber greislich schmal und extrem ausgesetzt. Für uns waren die letzten 20 Höhenmeter nicht mehr vertretbar und so haben wir es auf ca. 6060m gut sein lassen. Ein paar Fotos und wieder Retour. Plötzlich fällt einem auf, welche Hitze sich mittlerweile entwickelt hat. Nur mit einem dünnen Fleece spazieren wir gutgelaunt zum Hochlager zurück und kommen noch am Abend wieder am Zongo Pass an. Die letzten paar Tage verbringen wir in La Paz und Arica (wo immer noch nichts los ist). Ein bisschen ärgert uns jetzt schon dass wir wieder weg müssen, jetzt wo wir "fertig" Akklimatisiert sind. Es war komplett anders als damals auf dem Elbrus. Wie hatten wir uns dort plagen müssen und jetzt sind konnten wir uns auf 6000m (fast) normal bewegen. Die Lösung ist schnell bei der Hand: Wir kommen wieder, dann aber 4 oder 5 Wochen. Den Salar Uyuni haben wir ja auch noch nicht gesehen.

Übrigens: Die Verpflegungssituation fürs Zelten war gar nicht so einfach. In La Paz scheint es so gut wir keine Supermärkte zu geben, tatsächlich haben wir nur einen einzigen (Hipermaxi im Stadtteil Sopocachi, kennt jeder Taxler) gefunden. Die "normalen" kleinen Läden (Tiendas) verkaufen keine Instant Nudeln, schon gar nichts gefriergetrocknetes. Auch im Supermarkt ist die Auswahl an Knorr und Maggi Generikas nicht sonderlich gross, aber für ein paar Tage reichts. Gas in Schraubkartuschen (90/10 und 90/20 er Mischungen) gibt es in mindestens drei Campingläden zu deutschen Preisen; von dem dortigen Benzin sollte man die Finger lassen! Nur Waschbenzin aus den Ferreterias verwenden.