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| Glaskogen 2006 | |
Eigentlich wollten wir nach Mecklenburg-Vorpommern. Am Ende wars dann doch Schweden. Ein paar Tage bevor wir abfuhren machte uns ein Freund auf den Glaskogen Nationalpark aufmerksam. In irgendeiner Zeitschrift hatte er etwas von unberührter Natur, spitzen Paddelrevier und Wildnis pur gelesen. Also hin. MeckPomm ist für verlängerte Wochenenden genausogut zu haben. Der Glaskogen im schwedischen Värmland ist seit den 70er Jahren Naturreservat und wegen seiner günstigen Lage zu Oslo oder Göteborg auch recht gut besucht. Vorweg: Wer Einsamkeit, Wildnis und harte Touren sucht ist hier nicht richtig. Das Gebiet ist bei weitem zu klein und viel zu gut erschlossen um längere Zeit unterwegs zu sein oder nach der eigenen Nase eine größere Tour durchzuführen. Dennoch: Für "Anfänger", Familien mit kleinen Kindern oder Menschen die mal, ohne auf alles Angenehme verzichten zu müssen Natur und einzigartige Landschaft erleben wollen ist der Glaskogen genau das Richtige. Anlaufstelle ist in jedem Fall der Campingplatz in Lenungshammar der leicht mit dem Auto erreichbar ist. Wie üblich gibt es hier einen kleinen Laden mit dem nötigsten, Duschen und einen Kanu- und Fahrradverleih. Hier erhält man auch die "Glaskogenkarte", eine Art Permit das dem Erhalt und der Pflege des Nationalparks zugute kommt. Keine Angst, es sind nur ca. 3€ pro Tag. Dafür bekommt man exzellent gepflegte Wanderwege, Müllsammelstellen, markierte Umtragestellen an den Kanurouten, überdachte Biwakplätze und einiges mehr. Ausserdem erhält man in dem kleinen Laden eine Glaskogen Wanderkarte: wichtig wenn man gänzlich unvorbereitet dort ankommt. Wir entschieden uns dafür, eine erste Tour durch die Seen im Westen des Parks zu unternehmen. Mit dem Auto ging es ein Stück zurück von Lenungshammar Richtung Arjang bis zur Brücke über den See Lelangen. In der Karte ist dort eine Kanuroute verzeichnet, der wir zunächst nach Süden folgten. Tip für Nachahmer: Paddelt zunächst am Ostufer des Sees nach Süden und kehrt dann an geeigneter Stelle um, um am Westufer zurück zu einer Umtragestelle zu gelangen. Wir waren nach noch nicht einmal einer halbem Stunde mit der ersten Paddeletappe fertig. Die Boote werden jetzt ca. einen Kilometer nach Norden zu einem kleinen See getragen der in ca. 10 Minuten durchquert wird. Die Portage folgt einem Forstweg, ist nicht zu verpassen und mit einem Bootswagen in kaum 10 Minuten erledigt. Nach kurzer Paddelei gingen wir nun im einsetzenden Nieselregen die längste Portage der Tour an. Weil wir nicht zweimal gehen wollten liessen wir die Luft wieder aus den Booten raus und hatten so recht bald gute 30 Kilo auf dem Rücken. Mit einem guten Rucksack kein Problem, aber die Ortlieb Seesäcke liessen uns schnell über den Kauf eines Bootswagens für die nächste Tour nachdenken. Auch diese Portage folgt ausschliesslich Forstwegen. Man erreicht nun einen relativ grossen See, der stark von mehr oder weniger grossen Inseln zergliedert ist. Auch hier der Tip: nicht der in der Karte verzeichneten Kanuroute folgen sondern weit nach Norden ausholen und zwischen den Inseln hindurch den See erkunden. Wir übernachteten an der Umtragestelle am Südwestende des Sees. Eigentlich dachten wir uns auf einer der Inseln im See zu Zelten, allerdings scheint es nicht einfach dort einen Zeltplatz zu finden. Mehrmals stiegen wir aus, weil eine Insel recht günstig erschien, das dichte Unterholz lässt aber kaum Platz für ein Zelt. Bei gutem Wetter ist es aber durchaus möglich ohne Zelt vernünftige Biwakplätze zu finden. In meiner Erinnerung ist dies die erste wirklich gute Zeltmöglichkeit nach der ersten Portage. Wir benötigten für diese Etappe ca. 4 Stunden, der Tag lässt also genug Spielraum um die Seen zu erkunden oder um Abstecher auf den Wanderwegen, die man immer wieder kreuzt zu unternehmen. Das Wasser aus den Seen haben wir übrigens gefiltert, weil doch wegen dem Moorwasser recht viele Schwebstoffe vorhanden sind. Dann war es aber ohne weiteres trinkbar, wenn auch etwas "modrig", Mineraltabletten schalten den beigeschmack aber komplett ab. Der nächste Tag beginnt mit einer Umtrage und einer kurzen Paddeletappe. Die nächste Umtragestelle ist etwas versteckt im äussersten Südwesten des Sees ist aber mit etwas Orientierungssinn recht gut zu finden. Bei uns war an dieser Stelle das Schilf im Wasser so dicht, dass man meinte der See wäre schon zu Ende. Einfach der Karte vertrauen und reinfahren, dann kommt auch bald das Umtrageschild. Man erreicht einen langgezogenen See den man nach Süden zurück zur Strasse Arjang/Lenungshammar verfolgt. Insgesamt ist dieser Teil landschaftlich der schönere: Die Seen werden recht verwinkelt, manchmal nur noch wenige Meter breit und sind deutlich verlassener als die vom Vortag. Die Umtragewege sind jetzt Pfade, trotzdem nach wie vor gut markiert, in sumpfigem Gelände mit Bohlen ausgelegt und für Bootswagen geeignet. Weil am Südende dieses Sees eine ca. 6km lange Portage kommen würde haben wir an dieser Stelle die Tour abgebrochen und sind zu Fuss auf der Strasse zurück zum Auto. Alles in allem eine empfehlenswerte Tour durch eine tolle Landschaft, aber leider mehr Boottragen als Bootfahren. Einen Bootswagen würden wir also unbedingt empfehlen und haben uns selbst ordentlich geärgert, keine dabei zu haben. Gerade die längeren Portagen kosten so sehr viel Zeit und Kraft, vor allem wenn man zweimal gehen muss. Wie gesagt man kann recht weit nach Süden fahren und mit einigen weiteren Portagen über den See Ned. Twänger in zwei weiteren Tagen zurück zur Strasse nach Lenungshammar kommen. |
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Die übrigen Tage verbrachten wir beim wandern rund um den südlichen Teil des Övre Gla und entschieden uns dafür die nächsten zwei Tage auf diesem See zu paddeln. Der Südteil des Sees hat eine menge Buchten und kleinere Seitenarme die man entlang der Strecke erkunden kann und bietet eine ganze Reihe von Zeltmöglichkeiten an den Ufern oder auf einer der Inseln. Fazit: Der Glaskogen Nationalpark bietet ein Outdoorerlebnis mit einer sehr guten Infrastruktur und ist deshalb vor allem für Familien oder gemässigte Outdoorer geeignet. Das Gebiet ist trotz einigen 100km Wanderwegen und zahlreichen Seen nicht sehr groß, sodass eine gute Woche völlig ausreichend ist um das Gebiet zu erkunden. |
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