Nachdem
wir beide unsere persönlichen Flugzeitrekorde auf fast 20 Stunden
erhöht haben sind wir nach einer Nacht in El Calafate sofort
mit dem Bus weiter nach El Chaltén, der Basis für den
Nordteil des Nationalparks Los Glaciares. Wir besorgen Brot und Benzin
und nehmen ein Taxi für die 15km Schotterpiste nach Norden zur
Brücke über den Rio Eléctrico. Wir wandern nach
Westen durch lichten Wald am Fluss entlang zum Refugio Los Troncos
an der Piedra del Fraile. Die Lage des Campingplatzes ist wunderschön
und wir nehmen den Luxus einer Dusche und dem unerwarteten Bier recht
dankbar an. Auf der einen Seite fliesst laut und milchig der Rio
Eléctrico, auf der anderen Seite steht über einer Pferdekoppel
der Cerro Eléctrico. Der Campingplatz ist privat und kostet
deshalb 7 pesos pro Nacht. Er liegt direkt an der Nordgrenze des
Nationalparks Los Glaciares der seit 1982 Unesco Welterbe ist. Entsprechend
sind die Vorschriften im Park um dem Besucherandrang Herr zu werden.
Bewegen soll man sich nur auf den vorhandenen Wegen und Zelten ausschließlich
auf den ausgewiesenen und kostenlosen Zeltplätzen. Offensichtlich
scheinen sich die Leute auch daran zu halten, man findet im Park
keinen Müll und auch die Zeltplätze sind, obwohl sie oft
mit 40 und mehr Zelten belegt sind ruhig und sauber. Der Schlafmangel
der letzten Tage steckt uns ganz ordentlich in den Knochen. Der Flug
nach Madrid war noch ok, die 12 Stunden im nächsten Flieger
schon weniger. Kurze Auflockerung brachte die Taxifahrt durch Buenos
Aires, dann schon wieder Fliegen. In El Calafate sind wir ins erstbeste
Hostel, Duschen und ab in die Stadt: Erst Supermarkt, dann Essen.
Noch ein Bier mit aufs Zimmer und die Rucksäcke umpacken. Um
ein Uhr Nachts fallen wir ins Bett. Den Bus nach El Chaltén
erwischen wir um halb acht am nächsten Morgen und fünf
Minuten später verschlafen wir eine atemberaubende Landschaft.
So sieht also Patagonien aus...
An der Piadra del Fraile schlafen wir erst einmal aus und gehen den
Weg zum Lago
Eléctrico gemütlich an. Über hügelige Landschaft geht es
immer am Fluss, später am See entlang hinauf Richtung Lago Marconi. Die
Querung des Rio Pollone ist nicht schwierig, eher eine willkommene Erfrischung
und kurz vor dem Glaciar Marconi finden sich sehr gute Zeltplätze: nahe
beim Wasser und mit Steinmauern als Windschutz. Am frühen Abend wollen wir
noch den Weg auf den Glaciar Marconi erkunden. Am linken Ufer des Lago Marconi
entlang hält man auf das im unteren Teil von Geröll bedeckte Eis zu.
Auf dem Gletscher biegen wir allerdings zu früh nach rechts (i.e. Nordwesten)
ab und werden bald von einem Verhau grosser Spalten gestoppt. Morgen mit den
Rucksäcken kommen wir hier in keinem Fall weiter. Auf dem Rückweg treffen
wir vier Deutsche, die ebenfalls zum Paso Marconi wollen und raten ihnen es weiter
links ausholend zu versuchen. Sie finden einen guten Weg, immer im Geröll
am linken (südlichen) Rand des Gletschers entlang und biegen erst recht
spät nach Norden ab. Wir treffen auch vier Norweger, die vom Circo de los
Altares kommen und leider bestägigen sie die Gerüchte von den schlechten
Bedingungen auf dem Eisfeld. Selbst mit Schneeschuhen machten Ihnen die Schneemassen
zu schaffen. Ohne Schneeschuhe haben wir schlechte Karten. Am nächsten Morgen
bläst uns starker Wind vom Pass entgegen und macht uns noch langsamer als
wir ohnehin schon sind. Weiter oben auf dem Gletscher nehmen die Spalten wieder
zu und ständiges vor und zurück beim Wegsuchen kostet noch mehr Zeit.
Bisher war der Gletscher aper, doch wir sehen schon das das nicht mehr allzu
lange so bleiben wird, zudem senken sich seit zwei Stunden die Wolken mehr und
mehr ab und es wird neblig. Uns ist klar das das Gelände für eine Zweierseilschaft
nicht unbedingt ideal ist. Wir beschliessen noch eine Stunde weiterzugehen und
dann eine Entscheidung zu treffen. Nach einer halben Stunde kehren wir um. Der
Wind treibt uns förmlich vom Gletscher und wir laufen – natürlich
nun bei bestem Wetter – durch bis zum Refugio Los Troncos. Am nächsten
Tag gehen wir auf einem wunderschönen Weg durch das Bachbett des Rio Blanco
zum Campamento Poincenot. Von hier erreicht man in einer knappen Stunde die Laguna
de los Tres unterhalb des Glaciar Rio Blanco. Die Aussicht auf das Fitz Roy Massiv
ist fantastisch, man könnte stundenlang auf den warmen Steinen in der Abendsonne
sitzen und die Granitnadeln mit dem Fernglas absuchen. Zwei Tage später
stehen wir recht unvermittelt vor dem Lago Capri. Eigentlich wollten wir zum
Campamento De Agostini und haben wohl den Abzweig verpasst. Wir machen eine lange
Pause am Seeufer, schauen zwei schwarzen Punkten beim Abseilen vom Fitz Roy zu
und entscheiden uns direkt nach El Chaltén zurückzugehen. Der Abstieg
ist grossartig, wieder ändert sich die Landschaft und errinnert uns immer
stärker an Grönland – wenn man
sich die Wege, Häuser und vor allem die anderen Touristen wegdenkt. Wir
kommen direkt am Campamento Madson raus, bauen das Zelt auf, organisieren die
Fahrt nach El Calafate und besorgen Abendessen. Gegen Mittag am nächsten
Tag sind wir wieder in Calafate zurück. Ins bewährte Hostel, Duschen
und in die Stadt Wäsche waschen (lassen), Reiseführer kaufen (fehlanzeige)
und Mittagessen (naja). Wir kaufen Tickets nach Puerto Natales und erkunden ein
wenig die Stadt und das wirklich lohnende Vogelschutzgebiet am Lago Argentino.
In Puerto Natales ist – wie immer auf dieser Reise – schnell ein
Hostel gefunden und kurze Zeit später sitzen wir bei Rotwein und dem besten
Essen des Urlaubs. Puerto Natales liegt am Fjord der letzten Hoffnung (Seno Ultima
Esperanze) und ist die Hauptsadt der gleichnamigen Provinz.
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Die
Stadt wurde 1911
von europäischen Einwanderern gegründet, die hauptsächlich von
Schafzucht und Fischfang lebten. Heute ist Puerto Natales ein touristisch geprägter,
freundlicher Ort mit ca. 20.000 Einwohnern und dient vor allem als Ausgangsbasis
für den Nationalpark Torres del Paine der ca. 150km Nordwestlich der Stadt
liegt und täglich von mehreren Busunternehmen angefahren wird.
Tags darauf fahren wir mit dem Katamaran vom Refugio Pudeto über den Lago
Pohoe zum gleichnamigen Campingplatz. Hier im Nationalpark Torres del Paine ist
deutlich mehr los als im Glaciares. Entsprechend voll sind die Campingplätze:
Es passiert uns nicht nur einmal, dass Leute uns beim Abbau des Zeltes zusehen
weil sie um den Platz anstehen. Wir sind nun mit deutlich leichterem Gepäck
unterwegs, entscheiden uns aber trotzdem es gemütlich angehen zu lassen
und nur das „W“ zu machen. Wir lassen also unser Zelt im Campamento
stehen und gehen ohne Gepäck zu dem Aussichtspunkt über dem Glaciar
Grey. Auf halber Wegstrecke wird die Ähnlichkeit zu Grönland einmal
mehr deutlich, nur, dass man in Grönland nicht ganz so nah an das Eis herankam.
Der Vorteil des „W“ ist, dass man sein Gepäck eigentlich nur
auf Talhöhe nach Osten trägt und jeweils Tagesausflüge nach Norden
zu verschiedenen Aussichtspunkten unternimmt. Wir bauen am nächsten Tag
also das Zelt am Campamento Italiano auf, dösen nach dem Essen ein wenig
und machen uns gegen Abend auf zum Camp. Britannico. Auf halbem Weg bleiben wir
hängen. Auf der ganzen Wegstrecke hört man schon die Eislawinen vom
Cerro Paine Grande abgehen, aber auch eine ganze Stunde mit dem Fotoapparat in
der Hand warten hilft uns nichts: nur mickrige Rutsche. Als wir wieder beim Zelt
sind rumpelt es natürlich wieder ordentlich Der nächste Tag bringt
den etwas längeren Weg zur Hosteria Las Torres, die wir – vor allem
weil wir erst Mittags los sind – nach ca. 6 Stunden gegen Abend erreichen.
Dieser Campingplatz ist wie die meisten im Nationalpark nicht kostenlos (3500
Pesos/Person), dafür bekommt man aber Duschen und am Camp. Pehoe sogar eine
Küche. Wir nehmen am nächsten Tag noch den Aussichtspunkt Base Las
Torres mit, den man auf einem abwechslungsreichen Weg in dreieinhalb Stunden
erreicht. Leider spielt das Wetter zum ersten mal in den letzten Tagen nicht
mit, sodass wir die Torres nur grau in grau erleben. Wir fahren zurück nach
Puerto Natales und am nächsten morgen weiter nach Punta Arenas. Die an der
Magellanstrasse gelegene frühere Strafkolonie ist Zentrum des chilenischen
Wollhandels, bietet einige kleine Museen und ist Ausgangspunkt für verschiedene
Schiffsreisen in den Patagonischen Fjiorden, bei denen man neben Pinguinen, Robben
und Delphinen gelegentlich auch Wale zu sehen bekommt. Wir sind erst mal bei
strömendem Regen an den Otway-Fjord gefahren um die dortige Pinguinkolonie
zu besuchen. Je näher wir kamen desto stärker wurden Wind und Regen
und letztlich haben wir nur sehr schnell ein paar Fotos gemacht und sind nach
20 Minuten triefnass wieder zurück zum Informationszentrum. Bei gutem Wetter
lässt sich hier ein gut zweistündiger Spaziergang durch die Pinguikolonie
unternehmen. Die bis zu 70cm grossen Magellanpinguine ziehen hier jedes Jahr
von Dezember bis März ihre Jungen gross und können von den angelegten
Wegen und verschiedenen Unterständen beobachtet werden. Viel haben wir nicht
gesehen von der Kolonie, aber dafür war dies auch der einzige Regentag im
ganzen Urlaub. In Punta Arenas scheint nicht viel los zu sein. Die Stadt ist
weit weniger belebt als Puerto Natales. Vielleicht sind wir nur in der falschen
Ecke denken wir und machen längere Spaziergänge um zu fotografieren
aber es ändert sich nicht wirklich. Macht nichts, mit einer kleinen Brotzeit
am Wasser sitzen ist nicht das schlechteste. Morgen wollen wir auf der Magellanstrasse
paddeln und buchen noch in einem der vielen Reisebüros eine geführte
Halbtagestour und organisieren die Rückreise über Puerto Natales nach
El Calafate. Zum Abschluss machen wir noch einen Tagesausflug zum Glaciar Perito
Moreno. Den muss man halt einfach gesehen haben.
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