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Patagonien 2005/2006
 

Nachdem wir beide unsere persönlichen Flugzeitrekorde auf fast 20 Stunden erhöht haben sind wir nach einer Nacht in El Calafate sofort mit dem Bus weiter nach El Chaltén, der Basis für den Nordteil des Nationalparks Los Glaciares. Wir besorgen Brot und Benzin und nehmen ein Taxi für die 15km Schotterpiste nach Norden zur Brücke über den Rio Eléctrico. Wir wandern nach Westen durch lichten Wald am Fluss entlang zum Refugio Los Troncos an der Piedra del Fraile. Die Lage des Campingplatzes ist wunderschön und wir nehmen den Luxus einer Dusche und dem unerwarteten Bier recht dankbar an. Auf der einen Seite fliesst laut und milchig der Rio Eléctrico, auf der anderen Seite steht über einer Pferdekoppel der Cerro Eléctrico. Der Campingplatz ist privat und kostet deshalb 7 pesos pro Nacht. Er liegt direkt an der Nordgrenze des Nationalparks Los Glaciares der seit 1982 Unesco Welterbe ist. Entsprechend sind die Vorschriften im Park um dem Besucherandrang Herr zu werden. Bewegen soll man sich nur auf den vorhandenen Wegen und Zelten ausschließlich auf den ausgewiesenen und kostenlosen Zeltplätzen. Offensichtlich scheinen sich die Leute auch daran zu halten, man findet im Park keinen Müll und auch die Zeltplätze sind, obwohl sie oft mit 40 und mehr Zelten belegt sind ruhig und sauber. Der Schlafmangel der letzten Tage steckt uns ganz ordentlich in den Knochen. Der Flug nach Madrid war noch ok, die 12 Stunden im nächsten Flieger schon weniger. Kurze Auflockerung brachte die Taxifahrt durch Buenos Aires, dann schon wieder Fliegen. In El Calafate sind wir ins erstbeste Hostel, Duschen und ab in die Stadt: Erst Supermarkt, dann Essen. Noch ein Bier mit aufs Zimmer und die Rucksäcke umpacken. Um ein Uhr Nachts fallen wir ins Bett. Den Bus nach El Chaltén erwischen wir um halb acht am nächsten Morgen und fünf Minuten später verschlafen wir eine atemberaubende Landschaft. So sieht also Patagonien aus...
An der Piadra del Fraile schlafen wir erst einmal aus und gehen den Weg zum Lago Eléctrico gemütlich an. Über hügelige Landschaft geht es immer am Fluss, später am See entlang hinauf Richtung Lago Marconi. Die Querung des Rio Pollone ist nicht schwierig, eher eine willkommene Erfrischung und kurz vor dem Glaciar Marconi finden sich sehr gute Zeltplätze: nahe beim Wasser und mit Steinmauern als Windschutz. Am frühen Abend wollen wir noch den Weg auf den Glaciar Marconi erkunden. Am linken Ufer des Lago Marconi entlang hält man auf das im unteren Teil von Geröll bedeckte Eis zu. Auf dem Gletscher biegen wir allerdings zu früh nach rechts (i.e. Nordwesten) ab und werden bald von einem Verhau grosser Spalten gestoppt. Morgen mit den Rucksäcken kommen wir hier in keinem Fall weiter. Auf dem Rückweg treffen wir vier Deutsche, die ebenfalls zum Paso Marconi wollen und raten ihnen es weiter links ausholend zu versuchen. Sie finden einen guten Weg, immer im Geröll am linken (südlichen) Rand des Gletschers entlang und biegen erst recht spät nach Norden ab. Wir treffen auch vier Norweger, die vom Circo de los Altares kommen und leider bestägigen sie die Gerüchte von den schlechten Bedingungen auf dem Eisfeld. Selbst mit Schneeschuhen machten Ihnen die Schneemassen zu schaffen. Ohne Schneeschuhe haben wir schlechte Karten. Am nächsten Morgen bläst uns starker Wind vom Pass entgegen und macht uns noch langsamer als wir ohnehin schon sind. Weiter oben auf dem Gletscher nehmen die Spalten wieder zu und ständiges vor und zurück beim Wegsuchen kostet noch mehr Zeit. Bisher war der Gletscher aper, doch wir sehen schon das das nicht mehr allzu lange so bleiben wird, zudem senken sich seit zwei Stunden die Wolken mehr und mehr ab und es wird neblig. Uns ist klar das das Gelände für eine Zweierseilschaft nicht unbedingt ideal ist. Wir beschliessen noch eine Stunde weiterzugehen und dann eine Entscheidung zu treffen. Nach einer halben Stunde kehren wir um. Der Wind treibt uns förmlich vom Gletscher und wir laufen – natürlich nun bei bestem Wetter – durch bis zum Refugio Los Troncos. Am nächsten Tag gehen wir auf einem wunderschönen Weg durch das Bachbett des Rio Blanco zum Campamento Poincenot. Von hier erreicht man in einer knappen Stunde die Laguna de los Tres unterhalb des Glaciar Rio Blanco. Die Aussicht auf das Fitz Roy Massiv ist fantastisch, man könnte stundenlang auf den warmen Steinen in der Abendsonne sitzen und die Granitnadeln mit dem Fernglas absuchen. Zwei Tage später stehen wir recht unvermittelt vor dem Lago Capri. Eigentlich wollten wir zum Campamento De Agostini und haben wohl den Abzweig verpasst. Wir machen eine lange Pause am Seeufer, schauen zwei schwarzen Punkten beim Abseilen vom Fitz Roy zu und entscheiden uns direkt nach El Chaltén zurückzugehen. Der Abstieg ist grossartig, wieder ändert sich die Landschaft und errinnert uns immer stärker an Grönland – wenn man sich die Wege, Häuser und vor allem die anderen Touristen wegdenkt. Wir kommen direkt am Campamento Madson raus, bauen das Zelt auf, organisieren die Fahrt nach El Calafate und besorgen Abendessen. Gegen Mittag am nächsten Tag sind wir wieder in Calafate zurück. Ins bewährte Hostel, Duschen und in die Stadt Wäsche waschen (lassen), Reiseführer kaufen (fehlanzeige) und Mittagessen (naja). Wir kaufen Tickets nach Puerto Natales und erkunden ein wenig die Stadt und das wirklich lohnende Vogelschutzgebiet am Lago Argentino. In Puerto Natales ist – wie immer auf dieser Reise – schnell ein Hostel gefunden und kurze Zeit später sitzen wir bei Rotwein und dem besten Essen des Urlaubs. Puerto Natales liegt am Fjord der letzten Hoffnung (Seno Ultima Esperanze) und ist die Hauptsadt der gleichnamigen Provinz.

Die Stadt wurde 1911 von europäischen Einwanderern gegründet, die hauptsächlich von Schafzucht und Fischfang lebten. Heute ist Puerto Natales ein touristisch geprägter, freundlicher Ort mit ca. 20.000 Einwohnern und dient vor allem als Ausgangsbasis für den Nationalpark Torres del Paine der ca. 150km Nordwestlich der Stadt liegt und täglich von mehreren Busunternehmen angefahren wird.
Tags darauf fahren wir mit dem Katamaran vom Refugio Pudeto über den Lago Pohoe zum gleichnamigen Campingplatz. Hier im Nationalpark Torres del Paine ist deutlich mehr los als im Glaciares. Entsprechend voll sind die Campingplätze: Es passiert uns nicht nur einmal, dass Leute uns beim Abbau des Zeltes zusehen weil sie um den Platz anstehen. Wir sind nun mit deutlich leichterem Gepäck unterwegs, entscheiden uns aber trotzdem es gemütlich angehen zu lassen und nur das „W“ zu machen. Wir lassen also unser Zelt im Campamento stehen und gehen ohne Gepäck zu dem Aussichtspunkt über dem Glaciar Grey. Auf halber Wegstrecke wird die Ähnlichkeit zu Grönland einmal mehr deutlich, nur, dass man in Grönland nicht ganz so nah an das Eis herankam. Der Vorteil des „W“ ist, dass man sein Gepäck eigentlich nur auf Talhöhe nach Osten trägt und jeweils Tagesausflüge nach Norden zu verschiedenen Aussichtspunkten unternimmt. Wir bauen am nächsten Tag also das Zelt am Campamento Italiano auf, dösen nach dem Essen ein wenig und machen uns gegen Abend auf zum Camp. Britannico. Auf halbem Weg bleiben wir hängen. Auf der ganzen Wegstrecke hört man schon die Eislawinen vom Cerro Paine Grande abgehen, aber auch eine ganze Stunde mit dem Fotoapparat in der Hand warten hilft uns nichts: nur mickrige Rutsche. Als wir wieder beim Zelt sind rumpelt es natürlich wieder ordentlich Der nächste Tag bringt den etwas längeren Weg zur Hosteria Las Torres, die wir – vor allem weil wir erst Mittags los sind – nach ca. 6 Stunden gegen Abend erreichen. Dieser Campingplatz ist wie die meisten im Nationalpark nicht kostenlos (3500 Pesos/Person), dafür bekommt man aber Duschen und am Camp. Pehoe sogar eine Küche. Wir nehmen am nächsten Tag noch den Aussichtspunkt Base Las Torres mit, den man auf einem abwechslungsreichen Weg in dreieinhalb Stunden erreicht. Leider spielt das Wetter zum ersten mal in den letzten Tagen nicht mit, sodass wir die Torres nur grau in grau erleben. Wir fahren zurück nach Puerto Natales und am nächsten morgen weiter nach Punta Arenas. Die an der Magellanstrasse gelegene frühere Strafkolonie ist Zentrum des chilenischen Wollhandels, bietet einige kleine Museen und ist Ausgangspunkt für verschiedene Schiffsreisen in den Patagonischen Fjiorden, bei denen man neben Pinguinen, Robben und Delphinen gelegentlich auch Wale zu sehen bekommt. Wir sind erst mal bei strömendem Regen an den Otway-Fjord gefahren um die dortige Pinguinkolonie zu besuchen. Je näher wir kamen desto stärker wurden Wind und Regen und letztlich haben wir nur sehr schnell ein paar Fotos gemacht und sind nach 20 Minuten triefnass wieder zurück zum Informationszentrum. Bei gutem Wetter lässt sich hier ein gut zweistündiger Spaziergang durch die Pinguikolonie unternehmen. Die bis zu 70cm grossen Magellanpinguine ziehen hier jedes Jahr von Dezember bis März ihre Jungen gross und können von den angelegten Wegen und verschiedenen Unterständen beobachtet werden. Viel haben wir nicht gesehen von der Kolonie, aber dafür war dies auch der einzige Regentag im ganzen Urlaub. In Punta Arenas scheint nicht viel los zu sein. Die Stadt ist weit weniger belebt als Puerto Natales. Vielleicht sind wir nur in der falschen Ecke denken wir und machen längere Spaziergänge um zu fotografieren aber es ändert sich nicht wirklich. Macht nichts, mit einer kleinen Brotzeit am Wasser sitzen ist nicht das schlechteste. Morgen wollen wir auf der Magellanstrasse paddeln und buchen noch in einem der vielen Reisebüros eine geführte Halbtagestour und organisieren die Rückreise über Puerto Natales nach El Calafate. Zum Abschluss machen wir noch einen Tagesausflug zum Glaciar Perito Moreno. Den muss man halt einfach gesehen haben.