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| PERU 2009 | |
Fliegt man im Winter nach Lima taucht man ziemlich genau auf 700m Höhe in den Nebel. Man verlässt diesen Nebel erst wieder, wenn man auch Lima verlässt. Obwohl Lima sicherlich eine schöne Stadt ist: uns präsentiert sie sich grau in grau, scheint trist und ist immer im Nebel. Die meisten Touristen werden wohl - wie wir - in Miraflores enden, nahezu alle anderen Stadtteile gelten als nicht wirklich sicher. Wir steigen im Residencial Alfa (Av. Aviacion) ab und erkunden gleich die Gegend. Restaurants und Bars gibt es viele, vor allem rund um den Plaza Kennedy und Parque Central. Oberhalb der Klippen die zum Strand abfallen, an der Av. Armendariz, liegt ein grosses Einkaufszentrum in dem einige hervorragende (Fisch)Restaurants zu finden sind. An der Av. Jose Pardo findet man einen grossen, qualitativ unseren heimischen Supermärkten in nichts nachstehende "Vivianda" (leckere Oliven und noch bessere Empanadas, vor allem kaltes Bier). Geld bekommt man in ganz Peru an unzähligen Geldautomaten (Achtung nur 800 Soles am Tag! es können meist auch US$ abgehoben werden) oder autorisierten Geldwechslern an fast allen Strassenecken Limas. Im Hotel Alfa gibt es einen kleinen Reiseservice. Der Tourismo Andino möchte sich freundlicherweise ein paar Gedanken über unsere Zeit in Cusco machen. Da wir in der Reisevorbereitung nicht wirklich viel Zeit hatten um uns einzulesen kommt das gerade recht und wir lassen Frau Rosa mal machen. Eine halbe Stunde später steht das umfassende Programm und sie fragt ob sie das so organisieren soll. Ja - sie soll! Vorweg:
die Woche in Cusco war ein Sündenfall: Alles, vom Hotel weg über
den Flug, Zug, Bus, Sightseeingtrips...sogar
der Transfer vom Flughafen (inkl. hochgehaltenem Schild mit
unseren Namen!) war im voraus organisiert, geplant,
bezahlt und abgewickelt.
Pauschal, also. Die gute Frau Rosa von Tourismo Andino hat einen
richtig guten Job gemacht. Wir müssen
uns fortan nur darum kümmern, wo der nächste Pisco
rausschaut. We are on the road to nowhere, Pauschaltourismus
und Dekadenz haben uns fest im Griff: Endstation Clubschiff! |
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Unser Pauschalpaket enthält natürlich eine Führung durch Machu Picchu. Vormittags ist allerdings genug Zeit um auf eigene Faust herumzulaufen. Da trifft man dann auch allerlei lustige Gestalten die der Magie von Machu Picchu hinterhertrappeln und bei jedem aufziehenden Nebelschwaden (was Wunder: wir stehen 2500m hoch im Nebelwald...) wie unter Drogen verzückt die Augen verdrehen. Dieselben Leute sind es auch die einem zufälligerweise mit einem Eck nach Norden zu liegen gekommenen Gesteinsbrocken irgendwelche Energien zusprechen und sich darüber aufregen, dass sie nicht mehr auf eben diesem Stein übernachten dürfen seit die UNESCO das Sagen hat. Da wir solchen Dingen nicht sonderlich zugänglich sind haben wir zur Energieaufnahme ganz profan auf die Empanadas zurückgegriffen, die am Eingang verkauft werden. Aber es soll hier kein falscher Eindruck entstehen. Machu Picchu ist die Reise Wert; ein sehr beeindruckender Ort, lernten wir doch dass grosse Teile der westlichen Welt einen ganz wesentlichen Teil der Welt/Kulturgeschichte schlicht ausblenden. Zurück in Cusco folgen Busrundfahrten zu den lokalen Sehenwürdigkeiten! Pisac, Ollantaytambo, Sacsayhuaman, mehrere Stationen im Heiligen Tal, alles war dabei und eins war beeindruckender als das andere. Wir lassen Cusco nur recht zögerlich hinter uns; ein paar Tage mehr hätten sicher nicht geschadet, zu spät haben wir die Museen entdeckt... Huaraz erreichen wir mit dem Nachtbus von Cruz del Sur (Lima-Huaraz, ca. 8h). Komfortabel kann man diese Busse nicht nennen. Es ist mehr: es ist Luxus, Business- ach was Senatorklasse. Liegesitze in denen man abends einen Snack und Getränke serviert bekommt, einen Film schaut und morgens um halb 6 ziemlich entspannt aufwacht. Auf der Rückfahrt wird zur Unterhaltung der Gäste sogar Bingo gespielt und warmes Essen aufgetischt. In Huaraz: kurzer Besuch in einer Agencia um den Transport zum Ishinca-Tal zu organisieren (Andean Kingdom, empfehlenswert), Pisco Sour, später Cervezas und Pollo, Bett.
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Der Weg ins Basislager im Quebrada Ishinca ist malerisch. Für die Kurzweil sorgt unser Arriero Señor Sanchez. Weitgereist ist der Mann, war in Zürich und in Nepal um für seine Gemeinde zu lernen wie dort mit den (Berg)Touristen umgegangen wird, wie man die Ströme kanalisiert, welcher Service gefordert wird. Ausserdem haben sich die Beteiligten über Anbaumethoden und Sorten der Nutzpflanzen ausgetauscht. Dieser intelligente Mann hat viel zu erzählen und malt uns auf den vier Stunden Weg ein recht konkretes Bild von den Problemen seinen Landes. Señor Sanchez zeigt uns im Ishinca Basislager noch einen guten Fleck für das Zelt, ruht sich kurz aus und ist wieder verschwunden. Wir richten uns hinter dem Refugio Ishinca, das der CAI errichtet hat, an der Nordwestecke des Basislagers ein. Die verfügbare Fläche ist riesig, 6 oder mehr Fussballfelder, von Bächen (leider etwas komisch in der Farbe) durchzogen und unter den westseitigen Seracs an den Flanken von Tocllaraju und Palcaraju einfach perfekt gelegen. Apropos komische Farbe der Bäche: Wasser gibt es in offensichtlich nichtinfektiöser Qualität (erfolgreicher Eigenversuch) auf der Rückseite des Refugios aus einem Hahn. Wassersack mitbringen! Es beginnt das bekannte Basislagerritual: Ich kann zwar locker die 14 Kilometer und 1100 Hm in jeder beliebigen Geschwindigkeit hinter mich bringen aber sobald ich mich das erste mal bücke um das Zelt aufzubauen ist´s aus. Schwindel, Atemnot, Shit. Verena stanzt sich zwischenzeitlich an einem Häring ein recht ansehnliches, wie Sau blutendes Loch in den Finger. Gut, mein Erste Hilfe Kurs liegt nur ein paar Wochen zurück, also weiss ich auch die richtige Seite der schon lange abgelaufenen Kompresse zu verwenden. Nur, jetzt muss ich das Zelt alleine aufbauen. Ein Alptraum. Eine Stunde später krieche ich völlig stoned ins Zelt und zwinge mich zum Kochen. Unsere alte Regel, wer nicht kocht spült ab -und zwar sofort nach dem Essen weil am nächsten Morgen will man schliesslich Tee ohne die Nudelreste - treibt mich an. Kartoffeln mit Bohnen! Herrlich was so ein Esel tragen kann, noch ein Tee und weg bin ich. In der Nacht beginnt es zu regnen, Erinnerungen an Chile werden wach, kommen aber nicht weit: mein Kreislauf, das Hirn und der ganze Rest sind schlicht am Arsch. Ruhetag. Servus Tocllaraju. Unser Ruhetag war der schönste Tag eines im Basislager ansässigen Stiers. In stiller Genugtuung hoffe ich eigentlich es war ein Ochs. Jedenfalls war ich kurz davor mit der Schere des Schweizer Messers dafür zu sorgen, dass es ein Ochs werden würde. Während ich - immer noch völlig am Ende - versuche Verena auf den Moränenhügel zu folgen hat das Viech nichts besseres zu tun als genau wie wir die Gegend zu erkunden. Schau! Ein sauteures Mountain25, da schaumer doch mal rein! Dass des Viech Hörndl hat weiss es wohl nicht; scheinbar auch nicht dass man innerhalb eines Zelts den Mund schliesst um nicht zu sabbern. Der Ochs weiss auch nicht, dass es schlicht greislig ist, auf fremden Zahnbürsten herumzukauen. Ausserdem hat er die Spülhandschuhe gefressen (toll wenn man mit Schmelzwasser spülen muss), Moskitonetze ungeöffnet durchschritten, unsere Kartoffeln vernichtet und noch viel schlimmer: unser komplettes Mittagessen und Marschverpfegung verzogen. Von den 20 Kohlenhydratgelen sind noch drei übrig, der Rest zertrampelt. Wenigstens das Zelt steht noch und die Schlafsäcke sind - mit Ausnahme von ein bisschen Sabber - unversehrt. Die folgenden fünf Tage gibt´s also eine Powerbar zum Frühstück, einen kleinen (wohlüberlegten) Riegel auf der Tour und 250g Trockenfutter am Abend. Für zwei! Das ist wie damals in Schweden: RA-TIO-NIERT! Wir halten es bis zum vorletzten Tag aus, dann investieren wir horrende 16 US$ für Spaghetti im Refugio. Die sind herrlich! Es gibt ürbrigens neben dem Refugio Ishinca noch die Möglichkeit einige Kleinigkeiten wie Kekse, Cola und Bier in zwei oder drei kleinen Tiendas am Westende (am "Eingang") des Basislagers zu besorgen. Die Preise sind vernünftig, 10 Soles für eine "halbe" Bier (knappe 0,7L); ist dort oben schon ok. In dieser Ecke finden sich auch zwei Toiletten...benutzt haben wir die nur ein Mal. Das Projekt "Bioklo" steht leider erst am Anfang... Zum Wesentlichen: Mein Zustand bessert sich im Laufe des Ruhetages zusehends, der Wecker steht auf 3 und als wir aufwachen ist die Milchstrasse von Ost bis West in einem riesigen Streifen zu sehen. Los geht´s. Verhältnismässig warm ist es hier auf 4300m; ein Fleece reicht völlig, die Schalenschuhe sind übertrieben. Ziemlich schnell gehen wir den ausgetretenen Pfad Richtung Urus; immer die Moräne hoch, alles ohne Stirnlampe, der Mond leuchtet ausreichend hell und taucht alles in ein herrlich kaltes, fast unnatürliches Licht. Ein-, zweihundert Höhenmeter über uns tanzen die Lichter von zwei oder drei Frühaufstehern, hinter uns kommen nochmal zwei. Es geht gut voran und bei Sonnenaufgang sind wir am Firn, machen auf den letzten Granitinseln kurz Pause und gehen erst mal ohne Steigeisen weiter. Den Gipfel erreichen wir kurz nach Acht, 5 Stunden, das ist in Ordnung. Wir werden belohnt durch eine grandiose Aussicht und einen strahlend blauen Himmel. Der nächste Tag verläuft ähnlich: aufstehen um 2, losgehen bei Mondlicht mit dem Ziel: Nevado Ishinca. Die AV Karte (0/3b) ist nicht sehr detailliert, 1:100.000 eben, und die Beschreibung in Brad Johnsons "Classic Climbs of the Cordillera Blanca" nicht wirklich gut. Ab 4500m, also ungefähr zwanzig Minuten nach Aufbruch diskutieren wir wann es nach links geht. Brad schreibt "an einem kleinen See, der keinesfalls mit der Laguna Ishinca verwechselt werden darf" ginge es nach links. Nur wo ist der See. So hell ist der Mond auch wieder nicht, die Stirnlampe reicht auch nur 50m weit und die AV-Karte kennt nur einen Weiher: die Laguna Ishinca. Wir verlieren Zeit in Diskussionen und unnötigen (Such)Umwegen, sind aber doch bei Sonnenaufgang wie geplant am Gletschertor. Der See ist letztendlich nicht zu verpassen, da stolpert man auf 4900m förmlich drüber. Auch der Weg nach links ist nicht mehr so weglos, wie bei Brad beschrieben: Hirn abschalten, immer dem Weg nachlaufen und alles wird gut. Nevado Ishinca ist etwas anspruchsvoller als Urus, aber immer noch ziemlich leicht. Einzig der Gipfelaufbau kann bei Vereisung heikel werden, der Rest ist reiner Genusshaatsch mit grandiosen Ausblicken. Und welch seltenes Glück - an diesem Tag sind wir die Einzigen am Gipfel des Ishinca! |
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