Der
Sarek Nationalpark wird oft als "letzte Wildnis Europas" beschrieben.
Sicher ist, das man nur wenige ähnlich abgelegene Gebiete die
mit so vielen Herausforderungen aufwarten können in Europa finden
wird. Der Sarek Nationalpark liegt deutlich nördlich des Polarkreises
zwischen den ebenso besuchenswerten Nationalparks Padjelanta und
Stora Sjöfallets.
Im
Sommer 1999 zog es uns für unsere erste grössere Trekkintour
nach Nordschweden.
Das
es Moskitos haben würde war klar, aber dass es so heftig sein
würde überraschte uns. Erst seit zwei Tagen sind wir unterwegs,
aber schon jetzt sind wir derart zerstochen dass die Stimmung gefährlich
schlecht wird. Flussquerungen sind schlimm, wenn man die Hose ausziehen
muss kann man sich nicht mehr wehren und an allein an der rechten
Hand zähle ich über 40 Stiche. Beliebt sind auch die Schultern,
das Blut staut sich an den Rucksackträgern, das scheinen die
Staunzen mittlerweile auch begriffen zu haben. Vor zwei Tagen sind
wir in Kvikkjokk losgegangen, nachdem wir mit Zug und Bus fast 40
Stunden unterwegs waren. Die ersten paar Stunden entlang des Kungsleden,
bis man den Pfad nach Norden Richtung Parek Sameviste findet. Die
sumpfige Seenplatte die man daraufhin durchqueren muss bietet den
Moskitos ideale Bedingungen, und macht, gepaart mit den Problemchen
der ersten zwei, drei Wandertage entsprechend wenig Spaß. Die
zweite Nacht verbringen wir im Gewitter und steigen am nächsten
morgen im Regen auf die Passhöhe zwischen Boarektjakka und Stuor
Jiertta. Die Moskitos werden weniger und scheinen über 1000m
Seehöhe zu verschwinden, deshalb wird nicht ganz ins Tal des
Gadokjahka abgestiegen um heute in Ruhe zu essen. Der nächste
Morgen zeigte den Sarek völlig unerwartet. Wir wachen in stehender
Hitze auf, keine Wolke am Himmel, kein Staunz regt sich, Hochsommer.
Wir sehen jetzt die Brücke deutlich im Tal und können einige
Stunden später die ersten Blicke in das wunderbare Rappadalen
werfen. Der Rahpaädno windet sich als breite, braune Schlange
durch das Tal und gibt für die nächsten Tage den Weg vor.
Leider sind wir nicht so flott wie wir es uns wünschen: die
Vegetation, hauptsächlich mannshohe Weiden und endlose, instabile
Blockhalden machen ein fortkommen schwierig. Zweimal finden wir von
den Elchen ausgetretene Pfade und kurz darauf sehen wir dann auch
eine ganze Herde mitten im Rahpaädno stehen. Nach nicht enden
wollendem Gewühle durch das Weidengestrüpp biegen wir nach
Südwesten in das Sarvesvagge ein und kommen durch das Noajdevagge
auf die Luohttolhko Hochebene. Die Landschaft ändert sich hier
ganz plötzlich von der wilden Hochgebirgsszenerie zu einer eisigen
Seenplatte, umgeben von den vergletscherten Gipfeln des Sarek.
Den Abstieg nach Südwesten ins Njoatsosvagge lassen wir langsam angehen.
Wir gehen heute nur Vormittags und genießen die Aussicht und das Wetter.
Langsam aber sicher wird auch die Verpflegung knapp. Bis zum Abendessen sind
es nur noch 150 Gramm Brot und ein Riegel für jeden von uns. Es wird uns
eine Lehre sein, von nun an kommen nur noch vorportionierte Dinge mit auf längere
Touren, die Gier ist sonst offensichtlich zu groß und es geht sich am
Ende nicht aus.
Wir sind auf dem Rückweg; da wir noch ein paar Tage Zeit haben schlagen
wir die Zelte am Fuss des Barddetjahkka auf und steigen am nächsten Morgen
auf den 2005m hohen Gipfel. Der Rundblick ist überwältigend, zeigt
die Wildheit dieser zerklüfteten Landschaft und zeigt uns, wie wenig wir
vom Sarek in diesen 10 Tagen gesehen haben.
Der Abstieg ist eine berauschende Abfahrt im Firn, die Stimmung ist wieder
auf dem Höhepunkt und fiebert der Fjellstation in Kvikkjokk entgegen in
der wir vor allem Futter wittern. |
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