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| Svalbard 2011 | ||
Jürgen
und ich werfen die Daunenjacken über
und torkeln am Morgen des Karfreitag durch den Schneesturm zur Post.
Wir haben es geschafft: Mit Hilfe der halben Hotelbelegschaft haben
wir die Postlerin identifiziert und aus ihrem Karfreitagsrausch geklingelt.
Tatsächlich: die Tür geht auf und eines unserer zwei großen
Probleme ist gelöst. Wir bekommen ein Riesenpaket in die Hand
gedrückt. Nun haben wir ein Zelt und Essen für fast zwei
Wochen. |
Video | Info |
| Jürgen ist vor mir oben, ich sehe schon sein Grinsen
und gebe Gas. Juchitzer, Hammeraussicht! Alles weiß! Arktis!
Und wir mitten drin! Endlich!!! Dana kommt rauf, wirft ihre Ski über
die Kante, krabbelt den letzten Meter durch den Fels und hält
im Aufstehen inne. Wir sehen ihn fast gleichzeitig… Ursus maritimus… Ca.
2km südwestlich von uns bewegt sich etwas, bräunlich-gelb
und riesengroß. Ich schaue in den Schnee vor uns und da sind
auch noch Spuren. Wir nehmen die bewährte Verdrängungsoption,
lassen die Ski stehen und gehen zu Fuß den abgeblasenen Grat
nach Norden zum Punkt 371 um die Aussicht auf Longyearbyen und den
Adventfjorden zu genießen. Auf dem Rückweg ist Jürgen
ein sehr beliebter Partner: Er hat die Knarre, jeder bleibt nah bei
ihm. Am jenseitigen Talhang werden es immer mehr Bestien. Drei. Sieben.
Am Ende ein Dutzend. Mit Jungen! Invasion! Wir haben nur 10 Schuss
vom Ingenieur bekommen. Panik…Verzweiflung….und dann die
Gewissheit… Es sind Rentiere.Wieder beruhigt
tauche ich ein in die Landschaft. So weit ich sehe nur weiß,
nur Schnee und Eis, und ein Skiberg nach dem nächsten. Das Gefühl
des Unterwegsseins kommt auf. Bestimmt, aber ganz langsam keimt es
und es wird mir klar dass ich angekommen bin. Warum mache ich was anderes?
Alles fällt leicht, die Notwendigkeiten diktieren die Abläufe.
Darüber hinaus gibt es nur Schlaf und Gespräche. Das reicht
mir, es wird mir wieder klar wie auf jeder Tour. Aber noch nie so intensiv. Bei der Abfahrt vom Trollsteinen die unerwartete Wende: Jürgen stürzt; Schmerzen im Knie. Noch warm vom Aufstieg geht die Abfahrt sauber durch, und keiner außer Jürgen denkt sich was. Im Hotel wird im Lauf des Abends und der Nacht klar, dass wir ein neues Problem haben. Jürgen nimmt den nächsten Flug nach Hause. Wir ahnen noch nicht wie schlimm die Verletzung tatsächlich ist: Innenband ab, Meniskus eingerissen. Während Jürgen versucht einen Heimflug zu bekommen, paradoxerweise mit der Maschine, die sein Gepäck bringt, zerren wir, jetzt nur noch zu viert, die Pulka aus dem Container und ziehen sie zum Mary Ann, unserem Hotel. Aufpackeln und los. Kein gutes Gefühl zu viert loszuziehen. Jeder hat ein schlechtes Gewissen weil Jürgen zurück bleibt. Wir hatten uns alle auf den Moment gefreut gemeinsam, zu fünft, die Pulka aus Longyearbyen rausrumpeln zu lassen. Zu allem Übel regnet es auch noch. Der ursprüngliche Plan eine Runde durch das Nordenskjöld Land zu drehen ist allein zeitlich nicht mehr machbar, und so stellen wir das Zelt als Basislager zwischen Foxdalen und Janssondalen auf. Der Platz ist absichtlich exponiert mitten im Flussbett, um das Gelände besser überblicken zu können. Dafür gibt’s den Wind ungefiltert. Es regnet und ist ungemütlich, sodass wir den ersten Tag fast komplett im Zelt verbringen, nur ein kurzer Ausflug auf den Janssonhaugen gegen Abend war drin. Über Nacht dreht der Wind auf Ost, das ist das ersehnte Zeichen, und tatsächlich: Bald ist kaum noch eine Wolke am Himmel! Die nächsten Tage bringen etwas durchwachsenes Wetter. Wir können zwei herausragend schöne Skitouren auf Gipfel rund um das Foxbreen und nahe des Bogerbreen machen. Eine Skitour auf das Hallwylfjellet brechen wir auf dem Glottfjellbreen wegen einem Sturm und den dadurch unangenehmen Temperaturen ab.Grundsätzlich ist der Großteil der Gipfel in der Region mit Ski besteigbar. Allerdings braucht es einige Zeit bis man sich an das Gelände und die Karte gewöhnt hat. Selten ist es möglich seitlich in Flussbetten einzuqueren, aus der Karte ist das aber nie ersichtlich. Die Ufer sind oft stark überwächtet und kaum niedriger als 5 oder 6 Meter. Wir lernen nach und nach: Lieber einen Umweg in Kauf nehmen und an der Mündung rein. Ebenfalls anders als zu Hause: Höhenmeter und Distanz drehen sich hier einfach um. Die längste Skitour hatte nur 1200hm dafür aber nahezu 30km Gehstrecke. Dazu kommt, dass aufgrund des schlechten Kartenmaterials immer wieder Umwege notwendig sind oder ganz auf den anvisierten Gipfel verzichtet werden muss. Diesen Umstand sollte man vor allem dann bedenken wenn man ein unbekanntes Tal für die Abfahrt wählt. Bei allem was schief gegangen ist, bei allen Katastrophen auf diesem Trip: Noch nie durfte ich einer so eindrucksvollen Landschaft unterwegs sein. Unsere Skitouren sind an Schönheit, Einsamkeit und Unberührtheit kaum zu überbieten. Entsprechend stark sind die Eindrücke die man sammeln darf, und genau damit zufrieden einschläft. Das Wichtigste aber: Ich bin mit ein paar Bekannten gekommen und bin mit neuen Freunden nach Hause gefahren. |
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